Die Angst vor der Erziehung
Der Pädagoge Bernhard Bueb hält Disziplin bei der Erziehung für unausweichlich, der Familientherapeut Jesper Juul hingegen legt Wert auf Gelassenheit. Viele Eltern lesen deren Bücher auf der Suche nach einer Leitlinie bei der Erziehung. Es gibt aber keine übergeordneten Werte- oder Sinnsysteme dafür mehr. Die heutigen Eltern wollen weder autoritär noch antiautoritär erziehen und haben Angst, mit ihrer Vorstellung von Erziehung alles falsch zu machen.
Nach den Theorien von Juul wollen viele Eltern Partner für die Kinder sein, die das Heranwachsen ihrer Sprösslinge mit der nötigen Gelassenheit begleiten. “Viele Eltern wollen vor allem eines: ihren Kindern jegliche Niederlage, jeden Schmerz ersparen,” sagt der Therapeut. “Aber bei allem Einsatz: Niemand kann dem Leben vorbeugen”. Demnach sollten es Eltern vermeiden, sich vor allem beliebt machen zu wollen und Angst vor Konflikten mit ihren Kindern zu haben. Der Pädagoge Bueb weiß, dass eine gewisse Konsequenz bei der Erziehung unumgänglich ist: “Es braucht sehr viel Zeit, um die Kinder auf den richtigen Weg zu führen”. Man sollte aber auch nicht bei Erziehungsfehlern gleich die Kinder verantwortlich machen. “Gute Eltern übernehmen die Verantwortung und sagen: Okay, wir haben das versucht, aber es ist uns nicht gelungen”, so Juul.
Aber bei allen Methoden, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder anwenden, sei Authentizität die allerwichtigste Prämisse. Juul sagt über Amy Chua, die Autorin des Buches “Die Mutter des Erfolgs”, die ihren Kindern droht, ihre Kuscheltiere zu verbrennen, wenn sie nicht gehorchen: “Sie hat sich mit ihrer Persönlichkeit und ihren eigenen Wertvorstellungen sehr stark in die Erziehung ihrer Kinder eingebracht, sie hat sehr viel Zeit investiert, sie war da, sie war dabei.” Auch Bueb bestätigt das: “Wir brauchen Eltern, die zu sich selbst und zu den Kindern ehrlich sind.”
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